Civil G8 2006

Die Civil G8 – eine Möglichkeit für alle,
die globalen Probleme zu diskutieren!

„Biologische Vielfalt: dringende Notwendigkeit zur Verstärkung der internationalen Zusammenarbeit“. Empfehlungen des Forums vom 3.-4. Juli an den G8 Gipfel in Sankt Petersburg


3.-4. Juli 2006, Moskau, Russland

Wir, die Teilnehmer des Forums „Civil G8“, laden die Länder der G8 ein, ihre Aufmerksamkeit sofort auf die globalen Probleme der Erhaltung und nachhaltigen Verwendung von biologischen Ressourcen zu lenken. Insbesondere unterstützen wir die gemeinsamen Anstrengungen im Kampf mit illegalen Abholzungen, die von den Führern der G8-Länder im Jahr 2000 in Okinawa (Japan) unternommen wurden und als Ergebnis derer ein neuer internationaler Mechanismus ins Leben gerufen wurde: der Verhandlungsprozess zur Vervollkommnung von Gesetzgebung und Gesetzesvollstreckung auf dem Holzsektor (FLEG). Wir rufen die Führer der G8 dazu auf, den bereits errungenen Erfolg auszuweiten und auf seiner Grundlage ihre Aufmerksamkeit auf die Zukunft der biologischen Ressourcen und wichtigen Ökosystem zu richten.

Die weltweite Vielfalt der biologischen Ressourcen garantiert den Wohlstand von Milliarden von Menschen, unter anderem auch der Menschen in den Ländern der G8, und erbringt äußerst wichtige ökosystemische Leistungen wie reines Wasser und Lebensmittel. Gleichzeitig verlieren wir laut dem „Index des lebendigen Planeten“, der vom World Wildlife Fund ausgearbeitet wurde, immer noch ganze Ökosysteme und ihre Leistungen, und das mit steigender Geschwindigkeit. Die natürliche Fähigkeit des Planeten zur Absorbierung und Kompensierung von anthropogenen Einflüssen ist rasch am Sinken. Wenn sich diese Tendenzen fortsetzen, wie die Ergebnisse der Beurteilung der Ökosysteme an der Jahrtausendschwelle zeigten, stehen wir vor der Gefahr der Störung des globalen Gleichgewichts, für das die Leistungen der natürlichen Ökosysteme sorgen, was wiederum zu ungeahnten wirtschaftlichen und sozialen Verlusten bereits in nächster Zukunft führt. Die Situation wird durch die bedeutenden Senkungen der Ausgaben für den Umweltschutz verschlimmert.

Wir rufen die Führer der G8 dazu auf, sofort zu handeln, um diese Tendenzen umzukehren, und insbesondere:

1. proaktiv zu handeln und ihre Zusammenarbeit im Rahmen der Konvention über die biologischen Vielfalt mit dem Ziel der Lösung der Aufgaben des Jahres 2010 zu verstärken, und zwar einschließlich des „Arbeitsprogrammes bezüglich von Schutzgebieten“. Adäquate Mittel zur Verfügung zu stellen, damit dieses Programm in ihren jeweiligen Ländern verwirklicht werden kann, und den Entwicklungs- und Schwellenländern bei der Erreichung dieser Ziele zu helfen.

2. die Entwicklung von Systemen zur Steuerung der Nutzung der Natur auf der Grundlage der Prinzipien des ökosystemischen Ansatzes zu unterstützen, wobei besondere Aufmerksamkeit auf die Analyse der Ergebnisse und Empfehlungen der „Beurteilung der Ökosysteme an der Jahrtausendschwelle“ der UNO zu richten ist. Die Ausarbeitung und Anwendung von Mechanismen zu gewährleisten, um indigene und einheimische Gemeinschaften in das System der Entscheidungsfindung bei der Nutzung von Naturressourcen auf deren Siedlungsgebiet mit einzubeziehen.

3. ihre Politik bezüglich falscher Subventionen und anderer ökonomischer Mechanismen zu überdenken, um eine Stimulierung einer nichtnachhaltigen Nutzung von biologischen Ressourcen auszuschließen.

Insbesondere die Politik der EU auf dem Gebiet der Subventionierung der Fischereiflotte zu überdenken und seitens anderer entwickelter Länder sich ähnlicher Subventionen zu enthalten, da die biologischen Ressourcen des Meeres bereits maximal ausgeschöpft sind.

4. im Rahmen der Konvention über die biologische Vielfalt die Vorbereitung eines internationalen Abkommens über ökonomische Mechanismen zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung von ökosystemischen Leistungen zu initiieren.

Ein solches Abkommen kann auf der Beurteilung des „ökologischen Fußabdrucks“ der Länder und ihres Beitrags zur Unterstützung der ökosystemischen Leistungen beruhen und kann finanzielle und ökonomische Mechanismen vorsehen, die den im Rahmen des Protokolls von Kioto (Die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen) angewendeten ähnlich sind.

5. eine Einschätzung der ökologischen Komponenten einer nachhaltigen Entwicklung als wichtiges natürliches Kapital einzuführen und ein System von Maßnahmen zur Stimulierung der Erhaltung und nichterschöpfenden Nutzung der biologischen Vielfalt einzusetzen.

Ein Fortschritt in Richtung der Erreichung einer nachhaltigen Entwicklung erfordert dringend eine zuverlässige Einschätzung der ökologischen Komponenten. Zur gegenwärtigen Zeit werden nur ökonomische (zum Beispiel das BIP), sowie bis zu einem gewissen Grad soziale (zum Beispiel Armut und Bildung) Parameter bewertet. Es existiert auch eine Reihe von Beispielen komplexer Beurteilungen der ökologischen Komponente einer nachhaltigen Entwicklung (zum Beispiel der Stabilitätsindex der Weltbank, der Index des lebendigen Planeten, der ökologische Fußabdruck und das „grüne“ BIP), aber sie sind bis heute noch nicht in die globalen und nationalen Systeme der Beurteilung und Entscheidungsfindung integriert.

6. die Verwirklichung von großen landwirtschaftlichen Projekten (unter anderem von grenzüberschreitenden oder international bedeutsamen) nicht auf Territorien zuzulassen, die für die Erhaltung der biologischen Vielfalt besonders wichtig sind.

7. bei der Tagesordnung zukünftiger Sitzungen der G8 besondere Aufmerksamkeit auf die biologische Vielfalt der Weltmeere zu richten, besonders aber den Problemen der Fischerei, der Nutzung der Ressourcen des Schelfs und der Schaffung von Repräsentationssystemen der geschützten Meeresgebiete.

8. sich zu verpflichten, die internationale finanzielle Unterstützung für die Erhaltung der biologischen Vielfalt zu erhöhen, und zwar besonders über die Konvention über die biologische Vielfalt und den Globalen Ökologiefonds, sowie mittels Integration der Frage der ökologischen Nachhaltigkeit in die offiziellen Entwicklungshilfeprogramme.

9. die Anwendung internationaler Mechanismen und Beurteilungs- und Monitoringprozesse sowie der Kontrolle über die Einflüsse auf die Umwelt und natürlichen Ressourcen auszuweiten, einschließlich der Konventionen Espoo, SITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora), FLEG, des weltweiten Netzes der Biosphärenreservate und des Integrierten Wasser- und Ressourcenmanagements (IWRM).

10. die Erhöhung des Informiertheitsgrades der Öffentlichkeit und die Verwirklichung von Bildungsprogrammen auf dem Gebiet der Erhaltung und nichterschöpfenden Nutzung der biologischen Vielfalt im Rahmen der UNO- Bildungsdekade für eine nachhaltige Entwicklung zu fördern.

Die Teilnehmer des Forums sind bereit, ihre intellektuellen Ressourcen sowie ihre Möglichkeiten bezüglich der Geldbeschaffung zu mobilisieren, um die Unterstützung solcher Initiativen zu gewährleisten.