Civil G8 2006

Die Civil G8 – eine Möglichkeit für alle,
die globalen Probleme zu diskutieren!

„GMO – eine der Herausforderungen des 21. Jahrhunderts“. Empfehlungen des Forums vom 3.-4. Juli an den G8 Gipfel in Sankt Petersburg


Unter Berücksichtigung der enormen Aktualität der Lösung von Problemen, die durch die verfrühte groß angelegte Kommerzialisierung der GMO (Gentechnisch modifizierter Organismus) in der Welt entstanden sind, haben wir, die Vertreter von gesellschaftlichen Organisationen aus 17 Ländern, uns im Rahmen des Internationalen Forums der NGOs „Civil G8 2006“, uns in Moskau versammelt, um das Thema GMO zu erörtern. Wir sind zu den folgenden Schlussfolgerungen gekommen und haben Empfehlungen vorbereitet, die wir Sie bitten zu behandeln und den Führern der G8 zu präsentieren.

Wir drücken hiermit unsere Sorge über folgende Themen aus:


- die groß angelegte genetische Verschmutzung, die bereits besonders geschützte Naturgebiete und Ursprungszentren von kultivierten Arten erreicht hat, wobei eine Kontrolle seitens der Regierungen vollständig fehlt;

- die Gefahr einer genetischen Verschmutzung bei einer Kreuzbestäubung von traditionellen Sorten in der konventionellen und biologischen/organischen Landwirtschaft, was das Recht des Herstellers auf eine entsprechende Ernte verletzt.

- die große Anzahl von wissenschaftlichen Forschungsarbeiten, die aufzeigen, dass gentechnisch veränderte Kulturen und Lebensmittel eine potentielle Gefahr für die Gesundheit der Menschen und die Umwelt darstellen.

- der hohe Monopolisierungsgrad in der biotechnologischen Industrie, wobei die Verwendung von Gentechnologien durch eine kleine Zahl von multinationalen Korporationen kontrolliert wird, was eine Gefahr für die Lebensmittelsicherheit sowohl der hoch entwickelten als auch der Entwicklungsländer darstellt.

- das niedrige Demokratieniveau bei der Fassung von Beschlüssen, die mit der Verbreitung von potentiell gefährlichen gentechnisch veränderten Kulturen und Lebensmitteln, die aus ihnen hergestellt werden, zusammenhängen, der unzureichende Zugang zu Informationen über die Gentechnologie, was die Bevölkerung der Erde faktisch zu Geiseln eines globalen Experiments macht.

- die ungerechtfertig wachsende Rolle der WTO (Welthandelsorganisation) bei der Entscheidung in Fragen, die mit der Lebensmittelsouveränität der Staaten und ihrer genetischen Sicherheit zusammenhängen, und die sich verringernde Rolle der Staaten und Völker, wenn alle Beschränkungen der Expansion der GMO als Handelsbarrieren betrachtet werden;


Wir rufen Sie dazu auf:

1. die Frage der GMO auf die Tagesordnung des nächsten G8-Gipfels zu setzen.

2. ein Moratorium über die Aussetzung von gentechnologisch modifizierten Objekten in die Umwelt und ihre Verwendung in der Lebensmittelproduktion zu verhängen, bis die Fragen bezüglich der Sicherheit der GMO geklärt sind. Vor allem ist es notwendig, ein Moratorium über die Verwendung von gentechnisch modifizierten Objekten in der Kindernahrung zu verhängen.

3. auf nationaler und internationaler Ebene Sofortmaßnahmen zur Verhinderung einer genetischen Verschmutzung von landwirtschaftlichen Nutzflächen, der Umwelt und der Nahrungsketten zu treffen.

4. den Konsumenten das Recht auf das Wissen zu garantieren, dass sie gentechnisch veränderte Lebensmittel essen und für ein System zur Identifizierung und Markierung von GMO zu sorgen, einschließlich einer Markierung aller Produkte, zu deren Erzeugung GMO verwendet wurden.

5. die Hersteller von GMO zu verpflichten, für alle ökologischen, ökonomischen Schäden, sowie für Gesundheitsschäden nach dem Prinzip „der Verschmutzer zahlt“ zu haften.

6. den Prozess der Beschlussfassung bezüglich GMO öffentlich zu machen, und zwar sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene.

7. die vollständige Transparenz der Prozedur der Sicherheitsbeurteilung von GMO zu gewährleisten und zu garantieren, dass keine Information, die GMO betrifft, als Geschäftsgeheimnis anerkannt wird.

8. nicht zuzulassen, dass Konflikte zwischen Staaten bezüglich der Fragen der GMO im Rahmen der WTO gelöst werden, sondern dafür zu sorgen, dass diese Lösungen die ausschließliche Prärogative der internationalen Öffentlichkeit sind und auf der Grundlage der Prinzipien des Cartagena-Protokolls über die biologische Sicherheit gefunden werden und alle Maßnahmen ergriffen werden, die Anzahl der Länder zu erhöhen, die sich diesem internationalen Abkommen anschließen und es ratifizieren.